Am letzten Montag gab es bei uns an der Schule eine Evakuationsübung. In der Woche davor haben wir davon erfahren. Ich habe grosse Angst bekommen, weil ich nicht wusste, wie der Alarm klingt und weil es etwas Neues war. Das ganze Wochenende war für mich sehr anstrengend, da ich immer wieder Angst bekommen habe. Eigentlich wollte ich am Montag nur zu Hause bleiben. Aber ich habe alles mit meiner Mama am Sonntag besprochen. Wir haben abgemacht, dass Mama mit in die Schule kommt und mir hilft, mit meiner Lehrerin zu sprechen.
Da es klare Regeln gab, konnte ich nicht von draussen zusehen, wie die Evakuationsübung abläuft. Das fand ich sehr sehr doof und es hat mir richtig richtig Angst gemacht!
Mama und ich sind in die Garderobe gegangen und haben uns Lösungen überlegt. Eine Lösung war die Lippenpomade von Mama, die mir ganz viel Mut gab. Ich habe gemerkt, dass meine Angst vor der Evakuationsübung eine Trickbetrüger-Angst war. Es ist eine Angst, die mich nicht schützt und nicht wirklich nützlich ist. Sie möchte immer grösser werden und mich von Dingen abhalten. Bi hat mir dann auch noch das Trinken gebracht und Mama hat einen Notriegel im Rucksack verstaut, dass ich nochmals genügend Energie sammeln konnte. Bi hat mir noch versprochen, dass sie in der Pause bei mir bleibt und dass sie mir hilft die guten Ohrstöpsel in die Ohren zu tun, damit ich den Alarm sicher aushalten könne.
Während des Alarms ist dann alles ganz klar abgelaufen. Das hat mir geholfen. Und auch, dass ich wusste, dass ich bei Bi bleiben konnte, bis wir beim Sammelplatz sind. Und weisst du was? Der Alarm war eine Durchsage und gar kein richtiger Alarm. Es sagte einfach, dass ein technisches Problem sei, man auf die Lehrerinnen und Lehrer hören müsse und man mit ihnen das Schulhaus verlassen solle. Es war weder laut noch unheimlich.
Als die Übung dann fertig war, war ich froh, dass er nun maximal lange nicht mehr kommen wird. Und ich war auch ein wenig stolz, dass ich es geschafft hatte.
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